Igelversorgung zuhause
Ausstattung:
mögliche Optionen sind:
- Plastikbox ca. 50 x 80 cm, ca. 130 l Volumen, Höhe mindestens 50 cm oder ein sicherer Deckel. Notfalls auch etwas Kleineres zur Überbrückung
- Kleintierkäfig (z.B. oft günstig über Kleinanzeigen erhältlich)
- Badewanne ;=)
- Paletten- Aufsatzrahmen zur Box umgestaltet
- Pappkartons sind wegen der schlechten Reinigungsmöglichkeit und der Gefahr, dass der Igel Löcher in die Kiste frisst und ausbricht, nur als absolute Notlösung geeignet.
- Die Unterbringungsbox wird ausgelegt mit Zeitungen und einem Handtuch oder Pappkarton mit etwas zerrissenem Zeitungspapier oder Küchenrolle als Versteck. Katzenstreu, Sägespäne oder anderweitige Einstreu darf NICHT!! verwendet werden, da der Igel diese versehentlich fressen und schlimmstenfalls einen Darmverschluss bekommen könnte.
Räumliche Voraussetzungen:
- ein möglichst ruhiger Raum mit Tageslicht (Fenster) und mindestens 18°C Raumtemperatur. (ZB. Gästebad, Heizungskeller mit Fenster, Hobbyraum etc)
Für den Winterschlaf: Ein geschützter Ort im Freien, zB. Hasenstall, Gartenhaus, wettergeschützte Terasse oder Balkon. Der Igel muss in einem ausbruchssicherem Gehege gehalten werden - > Details gern bei Nachfrage!
Futter:
- getreidefreies Katzen- /Hundefutter nass und trocken, am besten Kitten-Futter
- Premium- Versorgung mit gekochtem Hühnchen, Rührei, Rinderhackfleisch gebraten – individuelle Vorlieben des Igels dürfen ausprobiert werden ;=)
- getrocknete Soldatenfliegenlarven und Zophobas als möglichst artgerechte Nahrungsergänzung
- nur Wasser zum trinken geben, NIEMALS Milch!!
Tägliche Versorgung:
- sorgfältige Säuberung des Geheges sowie des Futtergeschirrs
- Kontrolle der Ausscheidungen: Bei schleimigem, grünlichem, blutigem Kot sollte der Kot gesammelt werden und umgehend die Igelstation benachrichtigt werden.
- Füttern (je nach Zustand des Igels 1 - mehrfach täglich. Bei stabilen Igeln über 300g ist in der Regel eine Fütterung am Abend ausreichend.
- tägliche Gewichtskontrolle des Igels - > ein Igel ohne gesundheitliche Probleme soll je nach Größe mindestens 5-10 g pro Tag an Gewicht zunehmen.
- > Bei Gewichtsabnahme an 2 Tagen in Folge oder Stagnation des Gewichts bzw. zu langsamer Gewichtszunahme sollte unbedingt sofort mit der Igelstation abgeklärt werden, was die Ursache dafür sein kann. In der Regel sind Innenparasiten oder Infekte dafür verantwortlich, die den Igel im schlimmsten Fall sehr schnell umbringen könnten.
- Kontrolle des Allgemeinzustandes des Igels: Ein gesunder Igel rollt sich bei Berührung ein, hat eine gute Körperspannung, der Bauch ist warm, das Stachelkleid voll und die Haut grau- glatt, die Nase darf bei Aufregung klar tropfen, jedoch nicht schleimig/ weißlich.
- Nach individueller Vereinbarung auch Durchführung notwendiger Behandlungsmaßnahmen, z.B. Körperpflege bei Milbenbefall
Zeitaufwand insgesamt pro Tag im Idealfall 15 Minuten.
Informationen zur Auswilderung unserer gesund gepflegten Igel-Patienten
Liebe Igel- Finder,
in jedem von uns betreuten und gepflegten Igel stecken ein Herz voller Hingabe, unzählige Tage und schlaflose Nächte, persönliche und finanzielle Ressourcen, wunderbare Spendengelder und die große Freude über ein gerettetes Leben!
Doch nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Lebenspartner, Kinder und Freunde geben alles und verzichten oft auf unsere gemeinsame Freizeit, um möglichst vielen hilfsbedürftigen Igeln zur Seite stehen zu können.
Wir machen das aus Überzeugung und wirklich gern – doch damit dieser Einsatz für jeden Igel auch nachhaltige Folgen hat, sind wir auf Sie angewiesen!
Daher möchten wir Sie um Folgendes bitten:
Im Garten
- checken Sie ihren Garten und umgebendes Gelände auf „Igeltauglichkeit:
- stellen Sie sicher, dass genügend natürlicher Lebensraum zur Verfügung steht und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind (ggf. Igelhäuser aufstellen)
- gibt es Gefahrenquellen? z.B. offene Kellerschächte, Teiche, offene Müllbehälter/ Müllsäcke, Verletzungsmöglichkeiten durch Netze, Zäune, scharfe Gegenstände etc.. Falls ja, bringen Sie geeignete Schutzmaßnahmen an (Abdeckungen, Ausstiegshilfen, Müll nicht am Boden lagern)
- verzichten Sie bei Arbeiten in Haus und Hof auf Geräte, die Igel Schaden zufügen können bzw. kontrollieren Sie vor Einsatz solcher Geräte sorgfältig, ob sich ein Igel in der Nähe befindet (z.B. unter Laub schlafend, im Komposthaufen, Heuballen, im Sommer in der Wiese liegend). So können u.a. Rasenroboter, Rasentrimmer, Motorsensen und Laubsauger Igeln extreme Verletzungen mit häufiger Todesfolge zufügen!!
- verzichten Sie auf den Einsatz giftiger Substanzen im Garten
- WICHTIG: Informieren Sie bitte auch Ihre Nachbarn bzw. Besitzer angrenzender Flächen über Gefahren für den Igel! Igel können vor allem während der Paarungszeit im Sommer einige Kilometer weit laufen, sodass sicher nicht nur der eigene Garten als Lebensraum dienen wird. Hilfreich sind auch Hinweisschilder am eigenen Grundstück (z.B. Achtung Igel- langsam fahren)
- Achten sie auf die Igel, die Sie zu Gesicht bekommen und halten Sie gezielt Ausschau nach Ihnen. Bei Tagaktivität, Auffälligkeiten am Gang oder Allgemeinzustand (klein, schwach, dünn), Verletzungen, röchelndes Atemgeräusch nehmen Sie bitte den Igel auf (s. 1. Hilfe- Checkliste auf unserer Website) und kontaktieren Sie uns umgehend!
Fütterung im Garten
Das Thema Fütterung ist unter igelkundigen Personen heiß diskutiert, sodass es verschiedene Empfehlungen (gerade im Internet) dazu gibt. Wir möchten Ihnen aus folgenden Gründen eine ganzjährige Fütterung ans Herz legen:
- Durch das massive Insektensterben der letzten Jahre fehlt den Igeln die bevorzugte Nahrungsquelle teilweise zu beinahe 100%. Das lässt sich – leider erfahrungsgemäß - so schnell selbst in einem naturnahen Garten nicht ausgleichen, da dort in der Regel ja nicht nur Igel, sondern auch Vögel und andere Kleintiere auf Insektenjagd gehen.
- Ungewöhnliche und extreme Wetterlagen verschärfen dieses Problem zusätzlich, da das Nahrungsangebot bei zu kalter oder heißer Witterung ebenfalls zurückgeht.
- Zudem kann dadurch der seit Jahrtausenden eingespielte Biorhythmus des Igels durcheinander geraten. So wird beispielsweise der Winterschlaf zu früh beendet und die Paarungs- und Wurfzeiten verlängern sich inzwischen bis in den späten Herbst. Dadurch werden immer mehr abgemagerte und stark geschwächte Igel im Frühjahr gefunden, im Sommer und Frühherbst Weibchen mit unzureichenden körperlichen Reserven für die erfolgreiche Aufzucht ihrer Babys und in Folge zu spät geborene, völlig unterernährte Jungtiere, sowie ausgezehrte Elterntiere im Herbst und beginnendem Winter, die ohne menschliche Hilfe keinerlei Überlebenschance haben!
- Mit der menschlichen Zufütterung kann dieser Teufelskreis zumindest abgemildert werden. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich eine artgerechte und abwechslungsreiche Fütterung, d.h. Hochwertiges Katzen oder Hunde- Nass-/ Trockenfutter und Futterinsekten. (Produktbeispiele finden Sie auf unserer Website.
- Bitte wirklich kein Billigfutter verwenden, das schadet dem Igel mehr, als es nützt!
- Verboten sind: Milch und Milchprodukte (können tödlich sein!), Getreide, Nüsse, Obst und Gemüse, Speisereste, Honig, Zucker, Rosinen
- Selbstverständlich ist bei offensichtlich ausreichendem Nahrungsangebot und regelmäßiger Beobachtung der Igel im Falle wohl genährter Igel zumindest im Sommer eine Reduktion der Zufütterungsmenge vertretbar. Es geht uns hier keineswegs um eine „Überfütterung“ der Igel, da eine Verfettung gesundheitliche Schäden hervorrufen kann, doch sollten Hungerzustände und Abmagerungserscheinungen genauso vermieden werden!
- Wir haben sehr gute Erfahrungen mit mobilen Außenkameras oder Wildkameras zur Überwachung der Futterstelle gemacht. Selbst bei preisgünstigen Modellen war gut zu sehen, wie viele Igel wie häufig die Futterstelle besuchen und in welchem Zustand sie sich befanden. Gerade in den Frühjahrs- und Herbstmonaten lassen sich so recht schnell hilfsbedürftige Igel identifizieren, noch bevor sie durch Tagaktivität auffallen. Je rascher ein hilfsbedürftiger Igel gefunden und behandelt wird, umso höher sind seine Überlebenschancen!
- Eine Zufütterung von jungen, dünnen oder zu kleinen Igeln macht nur Sinn, solange die Außentemperaturen dauerhaft über 15°C betragen. Bei niedrigeren Temperaturen reicht die Energie des Futters nicht mehr zur Gewichtszunahme aus und der Igel sollte zur weiteren Versorgung ins Warme aufgenommen werden. → Bitte kontaktieren Sie uns in solchen Fällen umgehend, damit wir besprechen können, was das beste Vorgehen für den jeweiligen Igel ist!
Auf unserer Website finden Sie weitere Informationen rund um den Igel. Bitte zögern Sie nicht, sich bei Fragen jederzeit wieder an uns zu wenden!
P.s. Sollten Sie die Möglichkeit haben, in Zukunft von uns bereits gepflegten Igeln einen Platz zum Weiterpäppeln oder den geschützten Winterschlaf bieten zu können, würden sich unsere stacheligen Patienten sehr freuen, davon zu erfahren ;=)
Betreuter Winterschlaf
🦔 Anleitung: Betreuter Winterschlaf für Igel
Damit ein Igel sicher und stressfrei in den Winterschlaf gehen kann, braucht er eine ruhige Umgebung, ein geeignetes Schlafhaus und eine kurze Vorbereitungsphase.
Bitte diese Schritte genau einhalten:
1. Vorbereitung des Käfigs
• Der Igel bleibt im Innengehege / Käfig (mind. 100 × 50 cm).
• Als Schlafplatz eignet sich ein geschlossenes Schlafhaus (Holz oder stabile Pappe) mit nur einem Eingang.
• Einstreu: feines Stroh, trockenes Laub oder zerrissene Zeitung
• Unterbringung bei Außentemperatur (im Caport/ Garage/ Terrasse/ Balkon/ Gartenhaus etc). Wettergeschützt, aber möglichst kalt. Achtung: Nicht in der Nähe von Ultraschallgeräten zur Maderabwehr (z.B. am Auto) unterbringen! Diese verursachen massiven Stress und Schmerz bei Igel!
2. Drei Tage Fütterungsphase
Damit der Körper merkt, dass es in Richtung Winterschlaf geht, bekommt der Igel zunächst noch drei Tage lang Futter:
Tag 1–3:
• Abends immer weiter reduzierte Portionen hochwertiges Futter geben
• Wasser immer frisch anbieten.
In diesen drei Tagen möglichst ungestört beobachten:
• Frisst er?
• Wird er ruhiger?
• Sucht er sich ein Schlafnest?
3. Falls der Igel nach den 3 Tagen nicht einschläft
Wenn der Igel nach drei Tagen Fütterung weiterhin nicht in den Schlafmodus geht (bei entsprechend kalter Außentemperatur (Minusgrade) :
👉 Futter komplett entfernen – für weitere drei Tage.
Nur Wasser bleibt im Käfig!
Wichtig:
Das ist absolut unbedenklich. Ein gesunder Igel darf in dieser Phase nichts fressen – genau dadurch wird der Winterschlaf ausgelöst.
Er nimmt in dieser Zeit normalerweise von selbst weniger Aktivität an.
4. Beobachtung in der futterfreien Phase
Während der drei Tage ohne Futter gilt:
• Nicht stören, nicht anfassen.
• Nur jeden Tag kurz kontrollieren, ob der Käfig sauber ist, ggf. vorsichtig säubern. Das Schlafhaus wird dabei nie gesäubert!
• Wenn der Igel schläft: nicht aufwecken.
• Wenn er noch wach ist: keinen Stress machen, einfach fortlaufen lassen.
Die meisten Tiere gehen in dieser Phase zuverlässig in den Winterschlaf.
5. Falls der Igel auch dann nicht schläft – Kontakt aufnehmen
Wenn der Igel nach insgesamt 6 Tagen (3 Tage füttern + 3 Tage ohne Futter)
immer noch keinen Winterschlaf beginnt, dann bitte unbedingt:
📩 Sofort Rückmeldung an uns!
Das Verhalten kann verschiedene Ursachen haben:
• Untergewicht
• gesundheitliche Probleme
• zu warme Umgebung
• Parasiten
• Stress oder Unruhe
In diesen Fällen entscheiden wir individuell, wie es weitergeht.
6. Während des Winterschlafs
Sobald der Igel eingeschlafen ist:
• Käfig nicht öffnen, nicht bewegen.
• Tägliche Kontrolle, ob Wasser noch vorhanden und der Käfig sauber ist.
• Keine Fütterung während des Winterschlafs - außer in Phasen ungewöhnlich hoher Außentemperaturen, wenn der Igel dadurch aufwacht und mehr als 2 Nächte am Stück wach und aktiv ist
•
Ein Igel schläft im Schnitt 8–12 Wochen, manchmal auch länger. Jungigel wachen dabei manchmal kurz auf - so lange es draußen kalt ist und der Igel nicht mehr als 3 Tage in Folge wach ist, besteht kein Handlungsbedarf (ggf. natürlich den Käfig säubern)
7. Wenn der Igel wieder aufwacht
Sobald das Tier wieder wach ist:
• Futter bereitstellen
• Langsam zur normalen Fütterung zurückkehren
• Gewicht kontrollieren
• Beobachten, ob er mobil und munter ist
• Bei Auffälligkeiten: uns direkt kontaktieren
Wie geht es nach dem Winterschlaf (in menschlicher Obhut) weiter?
🦔 Wann darf ein Igel nach der Überwinterung wieder ausgewildert werden – und worauf sollte man achten?
Der Frühling naht, die Natur erwacht – und auch unsere stacheligen Überwinterungsgäste beginnen langsam, wieder aktiv zu werden. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Igel nach der Winterpflege wieder in die Freiheit zu entlassen?
🦔 Check-Liste: Igel nach der Überwinterung richtig auswildern
✅ 1. Den richtigen Zeitpunkt abwarten:
- Nur bei dauerhaft milden Temperaturen (8-10 °C tagsüber, nachts möglichst warm), ideal ab Anfang/Mitte April bis Anfang Mai
- Keine Frostnächte mehr, ausreichend natürliches Futterangebot und gute Deckung durch begrüntes Buschwerk
✅ 2. Gesundheitscheck vor der Auswilderung:
- Gewicht: es sollte in etwa das Ausgangsgewicht vor dem Winterschlaf erreicht werden. Bei ausgeprägtem Gewichtsverlust muss der Igel noch einmal in einem warmem Raum untergebracht und zu uns zum Check-Up gebracht werden.
- Keine sichtbaren Erkrankungen oder Parasiten
- Der Igel sollte mehr als 3 Nächte nacheinander aktiv und mobil sein, gut fressen und Kot und Urin absetzen.
✅ 3. Bei Igeln, die nicht aus dem eigenen Garten stammen bzw. die zum Fundzeitpunkt noch nicht selbstständig waren (Igelbabys)
Akklimatisierung ermöglichen:
- 2-6 Tage im Freigehege im Garten zur Gewöhnung an Außentemperaturen, Geräusche und Gerüche und zum Training des Jagdinstinktes.
✅ 4. Geeigneten Ort wählen:
- Wenn möglich am Fundort freilassen (Igel sind ortstreu)
- Alternativ: naturnaher Garten mit Hecken, Laub, Verstecken
- Keine stark befahrenen Straßen, Mähroboter, beissende Hunde oder andere Gefahren (Dachs!!) in der Nähe
- dauerhafte Fütterungsmöglichkeit im Garten (s. Informationen zum Auswildern)
✅ 5. Garten igelfreundlich gestalten (auch dauerhaft):
- Laub- und Reisighaufen nicht zu früh entfernen
- Keine Gifte oder chemischen Mittel verwenden
- Kleine Durchgänge im Zaun lassen
- Keine Mähroboter (weder tags noch nachts betreiben!)
✅ 6. Nachbetreuung nicht vergessen:
- Beobachten, ob der Igel zurechtkommt – aber nicht täglich stören.
- Sollte ein Igel am Tag gesichtet werden, bitte sofort reagieren (s. 1. Hilfe-Checkliste/ Woran erkenne ich einen hilfsbedürftigen Igel)
- täglich frisches Wasser und Futter bereitstellen